Zeitschrift EXIL
Zeitschrift EXIL

Willkommen auf der Webseite des Exil Verlages

 

Aktuelles 

 

EXIL VERLAG ist auf der Frankfurter Buchmesse 

vom 19. - 23.10.2016 in Halle 4.1 E 54. Besuchen Sie uns!

 

"DAS EXIL IST IN MIR"

 

Im Laufe der Zeit lernte Edita Koch viele Exil-Autoren kennen. Hans Sahl etwa, den großen Theater- und Filmkritiker der Weimarer Republik, der nach dem Machtantritt der Nazis über Marseille nach New York fliehen musste. Der 1953 in das Deutschland des beginnenden Wirtschaftswunders zurückkehrte. Sahl konnte nicht ertragen, wie sehr dieses Deutschland seine jüngste Vergangenheit verdrängte - und kehrte wieder in die USA zurück. Erst 1989 kam er hochbetagt, endgültig in sein Geburtsland.

"Hans Sahl hat in den allermeisten Heften von Exil geschrieben, ich habe ihm sogar eine Sonderausgabe gewidmet." Oder Ernst Erich Noth, der Ende der 20er Jahre in Frankfurt studiert hatte, bevor er als Kommunist in den Untergrund gehen musste und ihm schließlich die Flucht in die USA gelang.

 

Diese Liste ließe sich immer aufs Neue verlängern. "Die Erinnerung aufrechtzuerhalten" an alle Vertriebenen, "an die Menschen und ihre Werke", sieht Koch als ihre Lebensaufgabe an. "Die Zeitschrift hat mir dabei auch viel zurückgegeben."

 

Claus Jürgen Göpfert in Frankfurter Rundschau, 27. Juli 2016

 

Exil Verlag zu Gast beim deutsch-französischen Verlagstreffen in Paris

 

13. - 18. März 2016

 

Der Exil Verlag wird vom 13. bis zum 18. März am deutsch-französischen Verlagstreffen, das vom Institut Francais Paris in Partnerschaft mit dem Institut Francais Deutschland, dem Goethe Institut, dem Centre national du livre und dem Bureau international de l'édition francaise veranstaltet wird teilnehmen.

Im Mittelpunkt steht die Vielfalt des intellektuellen Schaffens Frankreichs in 

unterschiedlichen geistes- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen wie Philosophie,

Geschichte oder Soziologie. An verschiedenen Orten werden Begegnungen mit Vertretern der

"neuen intellektuellen Szene" und namhaften französischen Wissenschaftlern sowie mit

französischen Verlagsvertretern stattfinden. Den Abschluß des Verlagstreffens bildet die

Pariser Buchmesse (Salon du livre) am 18. März.

 

PRESSESTIMMEN

 

BEGEGNUNG MIT EINER ZEITSCHRIFT VON FORMAT

 

Die Zeitschrift war (und ist) keines der kurzlebigen Produkte. Sie wurde bereits 1981 gegründet und erscheint seitdem zweimal im Jahr im Umfang von ca. 100 bis 130 Seiten. Ihr Adressat ist die wissenschaftlich interessierte Öffentlichkeit. 

Wenn festzustellen ist, dass die Zeitschrift "Exil" - inzwischen nun bereits 35 Jahre "alt" - zu einer international renommierten Zeitschrift reifte, so ist das keine Übertreibung, gar billige Werbung oder Renommiersucht. Die Publikation wird regelmäßig von Universitäten im europäischen und transatlantischen Raum bezogen, also auch von Cambridge und Harvard oder New York University. 

Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass die in den "Exil"- Heften publizierten Themen vielfältige Fragen aufgriffen, u.a. auch zum Spanischen Krieg (1936-1939). Weitgehend ist dieser ja auch ein Teil der Geschichte des antifaschistischen Exils.

 

Dr. Peter Fisch, erschienen in "No Pasarán", Berlin Nr.1/2016, www.spanienkaempfer.de

 

AUF DEN SPUREN DER EMIGRANTEN

 

Nach einer längeren Publikationsunterbrechung ist Mitte Juni eine neue Ausgabe EXIL erschienen. Zu lesen sind Beiträge über Hans Sahls Briefe an Lotte Goslar, über die südfranzösische Schriftstellerkolonie Le Lavandou, über einen Zufluchtsort für jüdische Kinder und über die Geschichte eines Buches von Alfred Kantorowicz, das nicht erscheinen sollte. Künftig soll EXIL sich auch zeitgenössischen Aspekten von Migration zuwenden. ... Wie immer ist es ein schlichtes weisses Heft. Wie immer seit 1981 bietet es eine Fülle an Themen.

 

Katja Behling, erschienen in "tachles", www.TACHLES.CH Zürich am 26. Juni 2015

 

FRANKFURTER GESICHTER

Edita Koch

 

Die zweimal im Jahr erscheinende Zeitschrift "Exil" gilt als weltweit wichtigste Publikation ihrer Art. Eine "Geschichtsanwältin" nannte diese Zeitung Koch 2006. Sie halte die "Erinnerung an vergessene deutsche Helden wach, nämlich jene Schriftsteller, Künstler oder Wissenschaftler, die nach der Machtübernahme Hitlers ins Exil gehen mussten - und im Nachkriegsdeutschland vergessen wurden".

Ihre Stimme zählt auch an namhaften internationalen Hochschulen. So haben die Universitäten von Cambridge und Harvard und die New York University "Exil" abonniert. Leben kann Koch davon nicht. Aber das ist nicht entscheidend, liegt ihr das Thema Exil doch am Herzen.

 

Thorsten Winter, erschienen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am 29. November 2014

 

DOKUMENTE ZU HANS SAHL

 

rbl. Die Zeitschrift "Exil" versammelt in ihrer  jüngsten Ausgabe zahlreiche Dokumente und

Hintergrundinformationen zu Hans Sahl (1902-1993), der 1933 über Prag und Zürich nach Paris emigrierte, in Marseille Varian Fry bei der Rettung verfolgter Juden half, ehe er

selber über Portugal in die USA floh. Das vorliegende Heft gibt das unveröffentlichte Radio-Feature "Die hellen Nächte" wieder, ausserdem Briefe aus den achtziger Jahren sowie kommentierte Nachträge zur Bibliografie seiner Schriften. Ergänzt wird dieses Material mit Aufsätzen von Momme Broderson und Frithjof Trapp sowie einer Porträtskizze von Hans Sahl, 1940 im Lager von Vernuche von Gert Wollheim gezeichnet, wo beide interniert waren. (www.exilverlagkoch.de)

 

Erschienen in der "Neuen Zürcher Zeitung" am 24.12.2013

 

Zeitschrift "Exil"

Deutsche Juden in Bolivien

 

rbl. Im jüngsten Heft der Zeitschrift "Exil" dokumentiert León E. Bieber die zwischen 1938 und 1940 erfolgte Auswanderungswelle deutscher Juden nach Bolivien. Ein besonderes Augenmerk des Beitrags gilt dem daraufflogenden politischen Engagement der Emigranten. Marita Keilson, die Gattin des 2011 in den Niederlanden verstorbenen Schriftstellers Hans Keilson, zeichnet in einem weiteren Beitrag die Geschichte der niederländischen Exilzeitschrift  "Centaur" nach, der lediglich eine kurze Dauer beschieden war, aus der 1951 die deutschsprachige Zeitschrift "Castrum Peregrini" hervorging, die immerhin bis 2008 existierte.

 

Exil. Forschung. Erkenntnisse, Ergebnisse. Nr. 1, 32 Jahrgang.


Erschienen in der "Neuen Zürcher Zeitung" am 30. Juni 2013

 

Erich Auerbach in Istanbul

 

rbl. Hartnäckig hält sich das Topos, Erich Auerbachs bis heute lesenswertes und im türkischen Exil in Istanbul geschriebenes Hauptwerk "Mimesis" sei fast ohne Verwendung von Sekundärliteratur entstanden. Auerbach selber hat dem Mythos Vorschub geleistet, indem er in einer Nachbemerkung zu seiner vergleichenden Darstellung der abendländischen Literatur darauf hinwies, dass sie darum keine Anmerkungen und kaum Zitate enthalte und also gewissermassen frei schwebend entstanden sei, weil ihm im Exil eine gut ausgestattete Bibliothek gefehlt habe. Ein in der Zeitschrift  "Exl" abgedruckter Aufsatz von Kader Konuk geht dem Mythos nach und zieht zwar nicht Auerbachs Arbeitsmethode in Zweifel, zeigt aber gleichwohl, dass ihm in Istanbul mehr Literatur zur Verfügung stand, als er glauben liess.

 

Exil. Forschung. Erkenntnisse. Ergebnisse. 31. Jahrgang. Heft Nr.2

 

Erschienen in der "Neuen Zürcher Zeitung" Nr. 296 am 19.12.2012

 

 

 

 

 

 

Zeitschrift "Exil"

 

rbl. Das jüngste Heft der Zeitschrift "Exil" enthält ein von Peter Kamber verfasstes lesenswertes und informatives Porträt des 1934 aus Deutschland in die Schweiz geflohenen Antifaschisten und Hitler-Gegners Rudolf Roessler (1897-1958). Offiziell war Roessler u.a. tätig im Luzerner Verlag Vita Nova, wo 1936 neben zahlreichen anderen Titeln auch Walter Benjamins Briefband "Deutsche Menschen" unter dem Pseudonym Detlev Holz erschien. Daneben aber war Roessler nachrichtendienstlich tätig. Als eine der wichtigsten Schaltstationen zwischen Berliner Widerstandskreisen und den Allierten leitete er wichtige militärische Informationen von Berlin an die Westallierten und später über Genf nach Moskau weiter. Peter Kamber gut recherchierter Essay zeichnet minuziös Roesslers Lebensweg und seine Verbindungen zu Berlin nach. Dieser habe sich keineswegs als Spion verstanden, so Kamber, sondern als Mitglied des Widerstands gegen die Nationalsozialisten. (Exil. Forschung - Erkenntnisse - Ergebnisse. Heft 1, 2011; zu beziehen unter: www.exilverlagkoch.de

 

Erschienen in der " Neuen Zürcher Zeitung" am 7.03.2012

 

30 Jahre  EXIL

 

 Die Zeitschrift "Exil" im dreißigsten Jahr

 

rbl. Im Jubiläumsheft zu ihrem dreißigjährigen Bestehen veröffentlicht die Zeitschrift "Exil" den Briefwechsel Hans Sahls mit Joachim H. Koch, ihrem Gründer, während Frithjof Trapp in seinem Beitrag auf die Geschichte der Zeitschrift zurückblickt. Ein Essay von Henrike Walter diskutiert Ursula Krechels Roman "Shanghai Fern von Wo" über die Emigration deutscher Juden in die chinesische Metropole, und Andreas Schätzke geht dem Schicksal deutscher Architekten im lateinamerikanischen Exil nach. (Das Heft kann unter der Adresse www.exilverlagkoch.de bezogen werden.)

 

Erschienen in der "Neuen Zürcher Zeitung" am 27.07.2011

Mit freundlicher Genehmigung der Neuen Zürcher Zeitung

 

GRUßWORTE UND GEDANKEN

 

Vom ersten Heft an Abonnent, leider nur selten Autor, weil andere Dinge in den Vordergrund treten mußten, aber stets voll Achtung für Ihr unermüdliches Engagement bis zur Selbstausbeutung, mit einem hohen Maß an Empathie für Ihr Thema Exil, verbunden mit steter Kompetenz. EXIL ist inzwischen mehr als eine Institution und hat in ihrer Publikationsgeschichte vieles gerettet, was sonst noch versteckt, verloren, vergessen wäre. Hierfür gebührt Ihnen nicht nur mein persönlicher Dank, sondern auch die wissenschaftliche Anerkennung unseres Faches.

Mit herzlichen Grüßen und dem Wunsch, dass EXIL weiter seinen Weg machen kann.

Ihr Erich Kleinschmidt

 

Prof. Dr. Erich Kleinschmidt

Institut für deutsche Sprache und Literatur

Universität zu Köln

 

EXIL nennt sich das dienst- und schätzbare Organ, schlechterdings "Exil", nicht Exilliteratur o.ä. Dabei überwiegen bei weitem die Leute der Feder sowie die vielen, die erst durch ihre Vertreibung zum Schreiben gekommen sind, verstärkt noch durch diejenigen, die nachträglich darüber geschrieben haben, in vielen und nie literaturfreien Formen. Doch die gängige Selbstpräferierung der "Geistigen" oder der Schreibenden (beide rücken bei Heinrich Mann z.B. verfänglich nahe zusammen, dicht an Deckungsgleichheit) soll hier mal nicht zum Zuge kommen. Auf das Epoche machende Ereignis soll es ankommen: den lebensrettenden Ausweg, vor allem die tief gestaffelten Beschwernisse, die mit der abrupten Entwurzelung, der lang andauernden, für manche lebenslänglichen Existenz draußen verbunden waren. Und zwar in allen Dimensionen der sozialen Existenz, unter anderem auch fürs Schreiben, ganz am Rande auch für den politischen Kampf gegen die perfektionierte Perversion, die da "zu Hause" herrschte.

Die Materie des Vergegenwärtigten, das tiefe, tief einschneidende, wenn man so sagen darf satte Elend des Exils ist in sich hoch dramatisch. Aber man blickt aus einem weiten Abstand darauf zurück. Schon zu Beginn waren es 35, heute sind es 65 Jahre. Der Abstand legt sich über die noch so bewegenden Zeugnisse von damals, er prägt sämtliche Erinnerungen, die aus einer späteren oder ganz späten Perspektive angestellt werden.  Das Steile und Schroffe verliert sich nicht, aber der Maßstab verändert es, wie wenn man von einem Berg weiter zurücktritt. Das schafft unerwartete Erkenntnisse, die vielleicht von Anfang an fällig gewesen wären, die sich aber bei zu starker Mit-Betroffenheit nicht deutlich genug einstellen wollten. Wie tüchtig sie trotz aller Misere gewesen sind, die ins Exil Verjagten, auf so vielen Gebieten, auch solchen, in denen sie sich in ihren Gastländern gar nicht betätigen durften, oder die es vor ihren Ausarbeitungen noch gar nicht gegeben hat. Auch Ketzereien legt die distanzierte Betrachtung nahe. Wie schwer taten sie sich mit den Gegebenheiten ihrer Gastländer, mit deren Menschen, ihresgleichen, fast durchgängig auch mit der fremden Sprache. Im Vergleich mit der heutigen weltweiten und bei weitem leichtfüßigeren Migration, vor der ein Teil ja ebenfalls erzwungen und auf möglichst baldige Rückkehr angelegt ist (nur dass die Rückkehrgewissheit angesichts der immer mehr werdenden fatalen Beispiele immer schneller durchlöchert wird), fallen 'unsere' Exilierten doch einfach durch. Nicht zuletzt: die Weigerung, ihre Erfahrungen in ein Verhältnis - wenn nicht der Aufrechnung, so doch der historischen Zusammengehörigkeit und Relativierung - zu denen der Mitläufer und Geduckten im Reich zu setzen, zieht sich durch so viele Dekaden. Sie geht anscheinend von den Betroffenen noch auf ihre Erben über; sie hat auch auf den größten Teil der bisher vorliegenden Exil-Forschung abgefärbt.

 

Einen großen Vorteil für die Wahrnehmung des Exils, der Exilierten bietet die Fläche, die entsteht, wenn ein zweimal jährlich erscheinendes Periodikum immer wieder neue, ganz anders denkende und lebende Individuen vorstellt. Vor der Härte des Casus Exil sind alle gleich, gleich wichtig, gleichermaßen geeignet und fähig, solch ein Jahrhundert-

schicksal (so dachten manche) zu veranschaulichen und in Worte zu fassen. Die Frauen wie die traditionell im Vordergrund stehenden Männer, die stärker Reflektierten wie die stärker Emotionalen, die Berühmten und die, von denen man noch wenig oder nichts gehört hat. Es gehört auch nicht zu den Bezugsbedinungen, dass man sich mit der gleichen Intensität, mit allen Schicksalen beschäftigt, die da jedes Mal ausgebreitet werden. Die Fläche als Gestaltungsprinzip erzieht auf die unscheinbarste, meist unbewusste Weise zu einer demokratischen Einstellung. Und als Format ist sie unbegrenzt. Wenn das EXIL weiterhin auch Kinder und Erben der einstigen Flüchtlinge einbezieht, kann es seine erinnernd-aufklärende Tätigkeit leicht auf nochmals 30 Jahre ausdehnen.

 

Was soll ich viel sagen? Vermutlich werde ich das EXIL weiter beziehen, solange ich noch lesen kann.

 

Prof. Dr. Gerhard Bauer

Institut für deutsche und niederländische Philologie

Freie Universität Berlin

 

Liebe Frau Koch,

lieber Herr Trapp,

 

zum 30jährigen Jubiläum von EXIL gratuliere ich sehr herzlich! Für mich war die Zeitschrift eine wichtige Begleiterin meiner wissenschaftlichen Sozialisation. Dort erschien 2003 mein erster umfassender Aufsatz überhaupt, den ich zur Emigration der schauspielernden und tanzender Schwestern Stern schrieb. In meinem Übereifer hatte ich einen schrecklich langen Beitrag verfasst, den Sie dann einfach in zwei Teilen in EXIL brachten. Ich war damals sehr glücklich, zu dieser wichtigen Zeitschrift beitragen zu können. Aus der Perspektive der Kunstgeschichte gab es nichts Vergleichbares; meine Interessensschwerpunkte, die sich auf das künstlerische Exil konzentrierten, fanden hier einen ersten Resonanzkörper. Besonders interessant empfinde ich bis heute die interdisziplinäre Ausrichtung der in EXIL veröffentlichten Artikel und Essays: Literatur und Theater, Film und Fotografie, Architektur und Malerei - die Vielfalt der Themen spiegelt meiner Meinung nach besonders gut die transdisziplinäre Struktur der Emigrantenmilieus wider. Denn die erzwungene Ausreise brachte die Betroffenen in ungewohnten Konstellationen zusammen, und nicht selten mussten die Emigranten in andere Berufe ausweichen. All dies wird in Exil mitgedacht und artikuliert. Ebenso gibt es ein großes Panorama an Exilorten, über die aus unterschiedlicher Perspektive geschrieben wird. Würden alle in 30 Jahren EXIL thematisierten Länder gesammelt, so bildete sich vermutlich ein über den Globus gespanntes Netzwerk ab. Ich wünsche EXIL noch viele weitere erfolgreiche Jahre mit wichtigen Impulsen für die Forschung-

 

Ihre

 

Prof. Dr. Burcu Dogramaci

Kunsthistorisches Seminar

Ludwig-Maximilians-Universität München

 

 

In mancher Hinsicht teilt die Exilforschung das Schicksal ihrer Protagonisten - gesellschaftliche Marginalisierung, finanzielle Nöte, verschärfter Konkurrenzdruck, kurz: eine prekäre Existenz, die eher Duldung denn Wertschätzung seitens des Umfelds bedeutet. Dabei kommt der Exilforschung eine wichtige Rolle zu. Wie die Exilanten bewahrt sie eine andere, alternative Kultur und politische Tradition. Sie kann das so notwendige kritische Ferment im Bestehenden sein, sofern man sie denn lässt. Erledigt oder überholt ist jedenfalls nichts: Die Fragen, die das Exil in all seinen Erscheinungsformen aufwirft, sind noch immer virulent, ja vielfach heute erst zu stellen. Dreißig Jahre Zeitschrift EXIL sind ein stolzer Moment, um innezuhalten, Bilanz zu ziehen und all denen zu danken, die die Zeitschrift aufgebaut haben und sie tragen. Aber die Rückschau kann nur fruchtbar gemacht werden, wenn es auch klare Perspektiven und eine gesicherte Zukunft gibt: Ich wünsche Zeitschrift und Forschungsstelle ein langes, aktives Leben!

 

Dr. Anne Hartmann

Seminar für Slavistik/Lotmann-Institut

Ruhr-Universität Bochum

 

 

Seit drei Jahrzehnten ist EXIL das lebendige Gedächtnis des unfreiwilligen Exodus aus Deutschland, der 1933 einsetzte und dessen Folgen nicht enden wollen, auch wenn die meisten, die ihr Exil überlebt haben, inzwischen gestorben sind. EXIL hat vieles von dem am Leben erhalten, was die Erfahrungen der Zeitzeugen lehrt. EXIL hat vieles geleistet, um das Wissen über Lebensumstände, Viten und kulturellen Leistungen von Exilanten, das schon durch Vertreibung und Flucht verschüttet war, dem Vergessen zu entreißen. EXIL hat den großen Tendenzen und Entwicklungslinien, den bedeutenden Namen und den weniger bekannten, scheinbar weniger bedeutenden, aber jedenfalls aufschlussreichen Leistungen und Personen die gleiche Aufmerksamkeit entgegengebracht. Auf diese Weise hat EXIL der selektiven Wahrnehmung entgegengewirkt und die Breite wie die Differenziertheit des Exils sichtbar gemacht. Das alles sind Verdienste, die den Herausgebern der Zeitschrift, vor allem Edita Koch, den größten Respekt aller eingetragen hat, die sich mit dem Exil auseinandersetzen. Mit ihnen allen wünsche ich, dass EXIL sein Wirken fortsetzen möge, und so verbinde ich die Gratulation zum dreißigjährigen Bestehen des Periodikums mit der Hoffnung, dass ich noch sehr viele von den instruktiven und anregenden Heften werde lesen können.

 

Prof. Dr. Bernhard Spies

Deutsches Institut

Johannes Gutenberg-Universität Mainz

 

 

Krisenzeiten der Philologien sind nicht nur im Feuilleton ein wiederkehrendes Thema. Wollte man für solche Einschätzungen etwa Bestätigung in der Zeitschrift EXIL finden, so suchte man vergeblich. Im interdisziplinären und internationalen Spektrum der hier aktiven Geisteswissenschaften werden die philologischen Traditionen der Literaturwissenschaft überzeugend gepflegt: im Sichten, Ordnen, Edieren und Kommentieren von Materialien und Dokumenten, in Analyse und Interpretation von faktualen und fiktionalen Texten, im histographischen Erschließen von Texten in relevanten Kontexten, in der Ausarbeitung von Memorabilien sowie lebens- und werkgeschichtlichen Zusammenhängen, in der Rekonstruktion fachgeschichtlicher Leistungen und ihrer kritischen Akzentuierung durch aktuelle Rezensionen. Und an diesem philologischen Projekt zum Exil 1933-1945 sind erfahrene Wissenschaftler/innen aus dem In- und Ausland ebenso beteiligt wie der akademische Nachwuchs. Von Krise keine Spur!

 

Dr. Jörg Schönert

Institut für Germanistik II

Universität Hamburg

 

Die Frage "Wie weit ist Wien?" ist leicht zu beantworten, wenn man in Frankfurt oder Hamburg sitzt und die Suchmaschinen des Internet parat hat; die Gegenfrage "Weit von wo?" umso schwieriger, wenn die Heimat erzwungenermaßen unendlich weit weg und emotional ganz nah ist - "das Herz europaschwer", wie es Fritz Kalmar, Emigrant in Montevideo, in einem Gedicht beschrieb.

    "Wie weit ist Wien?" hieß auch das Lateinamerika-Projekt der Österreichischen Exilbibliothek von 1995. Bei der Arbeit an dieser Ausstellung, aber nicht nur damals, wurden wir, die wir bei vielen Fragen "weit von wo" standen, von Frithjof Trapp und seinem Hamburger Team auf das kollegialste unterstützt. Und die von Edita Koch auch nach Wien gesandten weißen Hefte von EXIL bescheren uns seit dreißig Jahren: "Erkenntnisse. Ergebnisse". Dafür und für mehr: herzlichen Dank!

 

Dr. Ursula Seeber

Österreichische Exilbibliothek im Literaturhaus in Wien

 

 

Mein erstes Heft der Zeitschrift EXIL war die Nummer 1 des Jahrganges 1983. Grund des Einzelkaufes, aus dem dann schnell ein Abonnement wurde, war Martin Mantzkes Beitrag über Emigration und Emigranten als Politikum in der Bundesrepublik, die sich viel mit Willy Brandt beschäftigte. Es war die Zeit, in der ich begann, an meinem Buch über Brands Exil in Norwegen zu arbeiten. Brandt war "mein" Bürgermeister während der Studienjahre in Berlin, hier in Norwegen hatte er auf "meiner" Insel im Oslofjord im Frühjahr 1933 seinen ersten kleinen Vortrag gehalten. In den 1980er Jahren tauchte er in Gesprächen mit älteren Menschen immer wieder als positive Erinnerung an ein anderes Deutschland auf. Brandt führte mich auch mit Frithjof Trapp zusammen, nachdem ich gebeten worden war, ein Foto von Brandt und seiner damaligen Lebensgefährtin Gertrud Meyer vor dem Oslo National-theater zu verifizieren. Unser Gespräch Anfang August 2006 über  sudetendeutsche Flüchtlinge in Skandinavien ist mir in guter Erinnerung, nur war leider der sudeten-deutsch-schwedischer Historiker, über den wir sprachen, spurlos verschwunden.

       Es war nicht nur der genannte Artikel in meiner Nummer, der mein Interesse an der Zeitschrift weckte, sondern auch der über Julian Tuwim. Danach folgten viele, sehr viele. Beiträge, die mit meinen Themen verwandt waren (z.B. über Ossietzky, Trapps über die Bücherverbrennungen, Moskauer Kaderakten), aber auch zu ganz anderen Themen (das "Furchtwängler-Heft" 2004, Musiktheater, Josef Roth und das Ostjeduntum, die Familie Mann - um einige wenige zu nennen), die meinen Horizont in den folgenden über 25 Jahre erweiterten. Und nicht zuletzt waren auch die Hinweise auf Neuerscheinungen von großem Interesse. Es ist gerade der interdisziplinäre Charakter der Zeitschrift, der wohl nicht zuletzt Frithjof Trapp zu verdanken ist, der sie für mich so wertvoll machte und macht.

 

Prof. Dr. Einhart Lorenz

Historisk institutt

Universitetet i Oslo

 

 

 

 

 

 

 

 

  

 

 

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Edita Koch
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